Kultursamstag 2026 KW8


Hallo zusammen,

Da es über die Monate immer mal wieder Nachfragen gab: die Liste sind nur Beispiele. Solange es jetzt keine Nachrichten sind und ihr der Meinung seid, es könnte andere Menschen interessieren, dann stellt es uns anderen Nutzern vor, erzählt was euch daran gefällt und warum ihr es mit uns teilt. Blogpost, Sachbuch, egal. Nur Memes und Nachrichten würde ich ausnehmen, da daraus schon der große Rest des Fediverses besteht.

Was habt ihr in der letzten Woche so an tollen Büchern gelesen, Filme geguckt, Spiele gezockt, Musik entdeckt, Museen oder Veranstaltungen besucht, … ?

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Ich habe mal angefangen Parasite Evefür die PS1 auf dem Emulator zu spielen und bin hin und her gerissen. Einerseits kann ich verstehen, warum dieses Spiel so beliebt war als es raus gekommen ist.
Gerade die Geschichte war für damalige Verhältnisse sehr filmhaft inszeniert, aber vor allem die Kämpfe sind irgendwie zu repetitiv und langweilig. Ich bin am überlegen mir den Rest nur als Video anzugucken.

Die Geschichte ist mal wieder klassisches: es wird ein Konzept aus der Wissenschaft genommen und dann vollkommen überdreht als Horrorelement angewandt. Hier sind es diesmal die Mitochondrien in unseren Zellen. Die ja eigentlich nicht direkt zu uns gehören sondern vor Urzeiten eine Symbiose mit Zellen eingegangen sind und jetzt in all unseren Körpern stecken und weiter vererbt werden aber trotzdem ein getrenntes Genom haben. Das Spiel stellt nun die Frage: was wenn die Mitochondrien bzw. jemand der die kontrollieren kann uns feindlich gesinnt ist.
Relativ viel Body Horror also, aber stark verpixelt, da die Graphik damals noch nicht so gut war.

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Ich hab jetzt wirklich recht häufig das Spiel "Dome Keeper" gespielt.
Ist quasi bergbau mit strategischem basenbau und bissl feinde abwehren. Das ganze kann in kleinen oder grösseren Runden gespielt werden.
Hat bei mir einen Nerv getroffen.

Des Weiteren überlegt der alte mann sich den 125er Führerschein zuzulegen. Ist Zeit für die Mittellebenskrise. Bzw: ich mach einfach was ich will

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Ich war gestern im Burgtheater, es ist furchtbar gewesen und ich bin in der Pause gegangen.

Das ganze Projekt -Holzfällen von Thomas Bernhard auf die Bühne- ist -wie ich jetzt sagen muss- ein unerträglicher Widerspruch in sich; dumm von mir, da nicht selbst drauf gekommen zu sein.

Zudem ist der zugrundeliegende Roman in den letzten fünfzig Jahren sehr schlecht gealtert: Ressentiments gegen alles und jeden zu schüren ist keine Kunst (mehr), sondern leider Politik.

Schade, schade.

Aber der Österreicher verehrt nichts so sehr wie seine toten Künstler und seine Burgschauspieler.

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Hab ne kulturelle Woche hinter mir…

Donnerstag war ich im Theater in „Love me Tender“, basierend auf dem gleichnamigen Roman. Ein Stück über eine Frau, die ihren Mann verlässt, den gut bezahlten Job aufgibt, ihre Wohnung verliert und auch sonst allen Luxus hinter sich lässt um mit Frauen Sex zu haben und ein Buch zu schreiben. Leider bleibt dabei auch ihr Sohn auf der Strecke, den ihr ex ihr durch Sorgerechtsstreits entzieht. Wenn die Hauptperson männlich wäre, wäre dieses Stück eine stereotype Scheidungsgeschichte. Aber die Hauptperson ist weiblich, weshalb viele der Dynamiken anders verlaufen, sie ist deutlich schwächer gestellt und gesellschaftlich weniger akzeptiert. Trotzdem hatte ich am Ende zwar Verständnis, aber wenig Sympathie für die Hauptfigur. Die Beziehung zu ihrem Sohn scheint sie aus egoistischen Gründen weiterführen zu wollen, was der Sohn dabei denkt ist nicht so wichtig. Bindungen, Liebe, Mutterschaft sind für sie Schimpfworte, die sie auf der Suche nach der persönlichen Freiheit behindern. Die Inszenierung hat mir gut gefallen, bis auf die Hauptperson gab es keine weitere Schauspieler, sie wurde aber von 3 Schauspielerinnen gleichzeitig gespielt. Auch das eher karge Bühnenbild hat gut gepasst.

Den Rest der Woche habe ich vie gelesen:

Mikhail Lermontov/ Ein Held unserer Zeit:
Ein faszinierendes Werk über einen einst als dunklen Helden angesehenen Charakter, das heute jedoch eher wie das Tagebuch eines Narzissten wirkt. Als es geschrieben wurde, schien die Hauptfigur eine etwas ambivalente Persönlichkeit zu sein, ein machiavellistisches Genie, das ignorante gesellschaftliche Konventionen missachtet und alle Menschen in seiner Umgebung manipuliert. Ein dunkler Held, wie Byron ihn beschrieben hätte. Für einen modernen Leser geht jedoch das meiste davon verloren. Petschorin wirkt eher wie ein nervöser Aufreißer, der sich um nichts kümmert und sich hinter einer Maske vorgegebener Berechnung versteckt.
Lermontov war ein Genie in der Art und Weise, wie er diese Geschichte erzählt. Es war eine großartige Entscheidung, zuerst andere Menschen über seinen Protagonisten erzählen zu lassen und dann den Protagonisten selbst zu seinem unzuverlässigen Erzähler zu machen. Lermontovs Bemerkung, dass der Titel des Buches ironisch sein könnte oder auch nicht, verleiht ihm die notwendige Mehrdeutigkeit. Ich habe es wirklich genossen, dieses Buch von vorne bis hinten zu lesen.

Voltaire / Candide:
Ein so altes und grundlegendes Werk zu beurteilen, ist immer mit gewissen Herausforderungen verbunden. Einerseits sieht man deutlich, dass es zu seiner Zeit wahrscheinlich revolutionär war und einen Paradigmenwechsel darstellte. Andererseits kennt man bereits die Konzepte und Ideen, die sich daraus entwickelt haben, und diese sind möglicherweise besser durchdacht, da sie die hier vorgestellten Ideen weiterentwickeln. Vor allem Humor ist schwierig, da er auf einem Kontext basiert, der modernen Lesern möglicherweise fehlt. Candide macht vieles sehr gut, aber manchmal ist es etwas zu offensichtlich, was es darstellen will, fast schon bis zur Ungeschicklichkeit. Ich habe es gerne gelesen, aber insgesamt hat es mich nicht so sehr beeindruckt wie vielleicht die Leser, als es zum ersten Mal veröffentlicht wurde.

E.T.A. Hoffmann / Der Sandmann:
Hoffmann hat hier für seine Zeit mit Sicherheit etwas spannendes und innovatives geschaffen, aber mich persönlich hat es leider nicht umgehauen. Das liegt vor allem daran, dass die Figur des Sandmanns eine viel kleinere Rolle spielt, als zunächst angenommen. Coppolla wird am Anfang als bedrohliche Mephisto Figur mit alchemistischen Fähigkeiten auf gebaut, irgendwann dann aber von Olimpia verdrängt. Für mich fühlt sich das zuweilen fast wie zwei Geschichten an, die verschmolzen wurden. Die eine behandelt den mythische Sandmann, die andere die emotionslose Automatendame.\
Worin Hoffmann jedoch gut ist, das ist bei der Verwendung von Motiven, Symbolen und erzeugen von mystischer oder bedrohlicher Stimmung. Das hätte damals so einiges für den Deutschunterricht hergegeben und ist deshalb sicher auch heute noch dort beliebt. Auch die Ambivalenz ob sich Nathanael alles nur einbildet, eine Psychose erleidet oder der Sandmann wirklich existiert war eine gute Wahl.

Dieser Beitrag wurde bearbeitet. (5 Stunden her)

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