Auf den ersten Blick scheint die Sache einfach: Das Schicksal von Demokratien entscheidet sich an der Frage, von wie vielen überzeugten Demokraten sie getragen werden. Natürlich spielen die institutionelle Ordnung und die Struktur der Verfassung eine Rolle, ebenso wie plötzlich auftretende innere wie äußere Krisen. Am Ende lautet die einfachste Gleichung: Wo die Mehrheit einer Gesellschaft sich gegen die Demokratie als Staatsform entscheidet, da wird sie über kurz oder lang scheitern. Besonders vertraut ist diese Gleichung den Deutschen. Schließlich bleibt hier das Scheitern der Weimarer Republik der zentrale Bezugspunkt in allen Diskussionen um eine vermeintliche "Krise der Demokratie".[1] Die Befürworter der Republik gerieten seit 1930 immer stärker unter Druck, rechts vor allem von der NSDAP, links von der KPD. Am Ende war es einer schrumpfenden politischen Mitte quasi unmöglich, noch Mehrheiten zu organisieren. Nazis und Kommunisten waren Todfeinde, sich in ihrer offenen Ablehnung der ersten deutschen Demokratie allerdings einig. So ging Weimar als "Demokratie ohne Demokraten" in die Geschichtsbücher ein.
5846 Shaares