In Politik und medialer Öffentlichkeit wird in letzter Zeit oft die Auffassung vertreten, in Russland gebe es keinerlei Proteste mehr, erst recht nicht gegen den Kreml und seinen verbrecherischen Krieg gegen die Ukraine. Zudem sei durch Meinungsumfragen scheinbar unumstößlich belegt, dass die Bevölkerung die Kriegshandlungen in der Ukraine breit unterstützt und das Regime als legitim ansieht. Viele Aktivisten und Oppositionelle sind bekanntlich entweder inhaftiert oder haben das Land verlassen. Einige Stimmen plädieren sogar dafür, ihnen die Ausreise aus Russland zu verwehren, damit sie den Kampf gegen das Regime vor Ort fortsetzen. So rief etwa der litauische Außenminister Gabrielius Landsbergis die Russen auf, zu „bleiben und zu kämpfen. Gegen Putin“. Auch Repräsentanten der ukrainischen Staatsführung und Zivilgesellschaft betonen, die beste Hilfe für die Ukraine sei es, die russischen Freiwilligenverbände in den Reihen der ukrainischen Streitkräfte zu unterstützen, in diese einzutreten oder auf Russlands Staatsgebiet militanten Widerstand zu leisten.
Die Unzufriedenheit der ukrainischen Seite ist verständlich und bedarf keiner weiteren Erklärungen. Aber stimmt es, dass es in Russland keinen politischen Protest gibt und die Gesellschaft ihre Regierung bedingungslos unterstützt?