Alles ist erlaubt, aber nichts ist möglich“, mit diesem Bonmot brachte der französische Philosoph Michel Clouscard die Stimmung der 1990er Jahre auf den Punkt. Und sein Kollege Cornelius Castoriadis veröffentlichte kurz vor seinem Tod im Jahr 1997 ein Buch mit dem Titel „Der Aufstieg der Bedeutungslosigkeit“. „Damals war es für junge Menschen nicht üblich, sich politisch zu definieren“, erinnert sich der 1990 geborene Schriftsteller Sam Kriss an diese Ära der Postpolitik aus der Perspektive eines Millennials. „Meine Freunde gaben gerne großspurige Erklärungen von sich wie ‚Ich bin größer als der Feminismus‘ oder ‚Politik ist etwas für Kleingeister‘. [...] Damals bestand das Problem mit den Wählern nicht in Falschinformationen, Extremismus oder darin, dass wir uns alle gegenseitig an die Gurgel gingen – sondern darin, dass wir uns nicht einmal aufraffen konnten, zur Wahl zu gehen.“
5858 Shaares