Caroline Wahl gibt der Popliteratur den Gnadenschuss wie einem zuschanden gerittenen Gaul.
Harald Martenstein hat in der “Welt am Sonntag” einen Text über die Ereignisse von Ceuta veröffentlicht, in dem er alle politischen Zügel schießen lässt. Diese Entwicklung hat sich gut sichtbar schon seit langem angekündigt, aber in diesem Text spürt man eine gewisse Erleichterung darüber, jetzt endlich alles sagen zu können. Die Rede ist von “70.000 Invasoren”, von “Eroberungsmigration”, es geht um “Vergewaltigte oder um Erstochene”, die für Linke als der “unvermeidliche Preis für das, was sie Vielfalt und Buntheit nennen”, gelten würden. Über die Migranten heißt es: “Sobald ihre Zahl es hergibt, werden sie die Regeln bestimmen.” Das ist keine neue oder originelle Rhetorik (auch nicht bei Martenstein), es ist aber mindestens interessant, sie von einem erfolgreichen Kolumnisten zu hören, dem bei seinem Abgang beim ZEITmagazin von den Kollegen noch bunte Sträuße gedreht wurden.
Die Altphilologin Katharina Wesselmann ist für Geschichte der Gegenwart ins Kino gegangen und hat dabei zugeschaut, wie Christopher Nolan die Ambivalenzen der berühmten literarischen Vorlage zu Action verarbeitet. Doch wird der Blockbuster der literarischen Vielschichtigkeit seines antiken Helden gerecht und zu welcher Projektionsfläche stilisiert er ihn?
Regeln für den Ernstfall. Eine Kurzgeschichte von Aimee Picchi.
Die Natur schlägt zurück.
Über ihre Recherchearbeit, KI, Lion Feuchtwanger und den Zustand der Demokratie sprach die Autorin mit Markus Peters.
Es sind interessante Tage gewesen für all diejenigen, die sich über die Zukunft des Buchmarkts, des Literaturbetriebs oder vielleicht sogar die Zukunft der Literatur selbst Gedanken machen. Da war zum einen die re:publica in Berlin mit einer spannenden Podiumsdiskussion zum Thema Klasse, die mit Mareice Kaiser und Hanno Sauer zwei einschlägig bekannte Schreibende zum Thema „Unsichtbare Ordnung? Was Klasse heute bedeutet“ auf der Bühne diskutieren ließ und zum anderen eine Reihe neuer Debatten zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Literatur, ausgelöst durch die Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk und das Literaturmagazin Granta.
Der Tod kam für uns überraschend.
Man hatte uns konstruiert, um Freude zu empfinden, und auch Neugier. Angesichts der Unberechenbarkeit der Welt mussten wir auf Überraschungen gefasst sein. Aber der Tod war schon eine extrem seltsame, unerwartete Facette unserer Existenz.
A.A. Dhand und Saima Mir sind in England für ihre Krimis bekannt, die in Breadford spielen, einer ehemaligen Textilmetropole mit einer großen Community muslimischer „british asians“. Ihre Literatur spiegelt die lokalen Geschichten der Zuwanderung, Protestbewegungen und Herausbildung einer neuen Mittelklasse und steht für ein neues Selbstbewusstsein jenseits rassistischer und frauenfeindlicher Klischees.
Susan hatte sich wie so oft am Spätnachmittag auf eine Bank im Park gesetzt. Die Sonne schien mild, die Wärme tat ihrer künstlichen Muskulatur gut. Zu dieser Uhrzeit kamen viele Menschen nach der Arbeit hier vorbei, Kinder spielten auf der Wiese. Es machte ihr Freude, das bunte Treiben zu beobachten.
Pa weiß genau, was du wollen wirst. Eine Kurzgeschichte von Andrew Kozma
Sie wollten schon immer Spiegel-Bestseller-Autor werden? Kein Problem: Alles, was Sie brauchen, ist eine mittelgute Idee und ein paar Tausend Euro. Über den Verfall eines kulturellen Statussymbols.
Science Fiction ist nicht nur ein künstlerisches Genre, sondern hat unseren Alltag erfasst. Dabei hat Science Fiction emanzipatorisches Potenzial und kann genauso gut antiliberal und populistisch vereinnahmt werden. Die US-amerikanische Medienwissenschaftlerin und Sciencefiction-Forscherin Sherryl Vint im Gespräch mit Christine Lötscher von GdG.
Normalerweise kann ich in den Augen von Big Steel Jim gar nichts lesen – vor allem nicht, seit die Firma sie verchromt hat. An diesem Abend drückte jedoch sein stierer Blick ganz eindeutig Mord und Totschlag aus. Sichtlich versuchte er, sich notdürftig zusammenzureißen, aber die Art, wie er die Tür zu meinem Büro aufstieß, sprach Bände. Und als ich den Vorschlaghammer in seiner Faust sah, wusste ich, was es geschlagen hatte.
In diesem Zukunftsszenario geht es um eine Welt, in der die meisten Länder im Chaos versunken sind. Doch die Superreichen haben vorgesorgt. Sie leben in abgeschirmten Luxusanlagen. Ein Vertreter des Internationalen Gerichtshofs lässt aber nicht locker und will Gerechtigkeit
Vince Brickle ist Detektiv in Boston und einem mysteriösen Killervirus auf der Spur. Vince Brickle verträgt keinen Kaffee, wohnt über einem Nagelstudio und weiß nicht viel über Wissenschaft. Vince Brickle, das ist der Protagonist des Thrillers “Das Institut”, erschienen 2025 im Piper-Verlag und geschrieben von Hendrik Streeck. Der Leiter des virologischen Instituts in Bonn wurde in den ersten Jahren der Coronapandemie vor allem durch die umstrittene COVID-19-Case-Cluster-Study oder auch “Heinsberg-Studie” bekannt und ist seit Kurzem Beauftragter für Sucht- und Drogenfragen der deutschen Bundesregierung. Und mit Vince Brickle hat er das geschaffen, was ich aus der Fanfiction als “Self-Insert” kenne.
Damals las ich sehr zum Leidwesen meiner Eltern blutig-brutale Erwachsenencomics – was sich auch in diesem Comic niederschlug. Ich blätterte also mit dieser charakteristischen Mischung aus Rührung und Cringe durch mein knapp 100 Seiten starkes Frühwerk, dessen Handlung im Wesentlichen daraus bestand, wie zwei Typen durch die Gegend zogen, und so sinnlos wie kreativ Leute umbrachten. Schnell stellte ich fest, dass der Stil auf den ersten Seiten noch stark vom französischen Künstler Moebius beeinflusst war, im Verlauf der Handlung allerdings deutlich erkennbar den Zeichenstil von Frank Millers „Sin City“ zu imitieren versuchte, dessen deutsche Übersetzung kurz zuvor erstmals in der Comiczeitschrift „Schwermetall“ erschienen war. Als ich meine Zeichnungen anschaute, teilweise exakte Adaptionsversuche von Millers und Moebius Panels, erinnerte ich mich auch, welchen nachhaltigen Einfluss die Werke meiner Vorbilder damals auf mich hatten. Und wie ich dachte: Das will ich auch!
Die “Redaktion Wadenbeisser” ist eine Ratekrimi-Comic-Reihe, die in Zusammenarbeit mit der Autorin Ina Rometsch (Text und Idee) für das Kindermagazin GEOlino entwickelt wurde. Jede Folge geht über zwei Doppelseiten. Zwischen 2008 und 2020 sind insgesamt 139 Folgen entstanden. Die Sammelbände (1 bis 7) mit jeweils 18 Fällen sind beim moses-Verlag erschienen.
Es war das Grauen der Jugend.
Die Achtziger Jahre.
Botschaft an eine untergegangene Spezies. Eine Kurzgeschichte von Christian Endres